Lebenslust – (incl. English version)

Wenn am Morgen die Wolken durchs Tal wehen… leise, sanft umhüllt von weicher weißer Watte, gehe ich still hinaus. Vor allem um zu riechen, den Duft der vielen Blumen, wie ein berauschendes Parfüm. Auch um dem Konzert der tausenden Waldvögel zu lauschen, unterlegt vom Trommeln der Spechte,  und um die Familie Kormorane aus dem Nest fliegen und schnattern zu hören unten am See. Die Raben erheben sich kurz von der Wiese, wenn ich erscheine. Sie nehmen Notiz von mir, wie einem Kumpel, um sich schnell wieder dem zuzuwenden, was sie mehr beschäftigt: Sie sammeln die Reste der vom Wind verwehten Schafwolle auf, um ihre Nester damit auszukleiden.

Man hört leise die Wellen ans Ufer klatschen, wenn man genau hinhört. In mir wird es friedlich. Ich setze mich ein wenig auf die Bank vors Haus und vertiefe mein Lauschen. Ein Kätzchen hüpft schnurrend auf den Schoss um sich in der Morgenkühle an mir zu wärmen.

Ja ich habe die letzten Nächte allein draußen geschlafen. Nicht einmal in der Jurte hielt es mich, ich musst sie spüren, die unglaubliche Kraft, die aus den Felsen und der Erde nach oben strömt, durch alles hindurch fließt und alles hier zur friedlich grünen Explosion bringt.

Alle Batterien zu Platzen voll geladen, spüre ich, die Hände voll feuchter fruchtbarer Gartenerde, den Fluss, der alles hier wachsen lässt. Auch ich gehöre dazu und wachse, immer mehr hinein in diese Wildnis. Immer weniger zieht es mich hinaus zu denen, die ein geregeltes Leben führen. Immer mehr verstehe ich die, welche sich unglücklich fühlen, eingesperrt in geregelter Arbeit und Betongebäuden. Ein Leben wie meines ist unbequem und gelegentlich schwer, vor allem im Winter. Aber ich werde nicht mehr tauschen.

Ich weiß jetzt, dass einfach Leben möglich ist, dass es mich geheilt und befreit hat. Und dass es der einzige gehbare Weg für mich ist. Ich will mich nicht mehr anpassen an eine Gesellschaft, deren Werte ich nicht teile.

Immer weniger brauche ich, wenn ich im Supermarkt um mich schaue. Nach etwas mehr als einem Jahr fallen Klamotten, Fleisch, Milchprodukte und viele Gemüse bereits weg: Fleisch esse ich nicht, Milch und Käse bekomme ich von meinen lieben Ziegen, Kleidung gibt es vom Flohmarkt, im Garten wachsen viele Gemüse, Wildkräuter gibt es in Hülle und Fülle. Vieles tausche ich mit den Nachbarn. Ich bin auf einem Weg, der freier und unabhängiger wird, je länger ich ihn beschreite.

Wenn ich von gelegentlichen Ausflügen in die Zivilisation zurückkehre, atme ich jedes Mal auf, und lasse eiskaltes Quellwasser über mein Gesicht fließen, um all das Unechte, Aufgesetzte und Gekünstelte von mir abzuwaschen. Ich habe das Gefühl, sensibler für Dinge zu werden, spüre mich selbst, und was mir gut tut.

Ich sehe tiefer in die Menschen, nehme Wahrheit und Lüge wahr, bevor sie ausgesprochen wird, erkenne ihre Absichten, und kann mich darauf einstallen, und brauche immer weniger. Weniger Dinge, weniger Reden, weniger Tun… Oft beobachte ich mich, wie ich Situationen um mich herum betrachte, und auch reflektiere, aber nicht mehr den Drang habe wie früher, einzugreifen, oder etwas dazu sagen zu müssen. Immer seltener.

Immer öfter sitze ich still da und schaue, manchmal kommt eine Melodie aus mir, und ich summe leise. Ich schwinge und singe mit der Kraft, die aus der Erde kommt.

Angekommen.

LUST FOR LIFEP1060471

If in the morning the clouds are blowing through the valley … softly, gently enveloped by soft white cotton, I go out quietly. Especially to smell the fragrance of many flowers, like an intoxicating perfume. Even listening to the concert of thousands forest birds, backed by drums of the woodpeckers, and the family flying cormorants from the nest and chatter heard down by the lake. The ravens rise briefly from the meadow when I appear. Take notice of me as a buddy to quickly refocus their attention on what they employed more: you collect the remains of windblown sheep wool on to line their nests with it.

You can hear the waves softly clap shore if you listen closely. In me it is peaceful. I sit a little on the bench outside the house and deepen my listening. A kitten jumps purring on my lap to warm in the cold morning air to me.

Yes, I have the last nights slept alone outdoor. Not even in the yurt it kept me, I have to feel the incredible power that flows out of the rocks and the earth upward, flows through everything and brings everything here to peacefully green explosion.

All batteries to burst fully charged, I feel the hands of fertile garden soil, the earth river that makes everything grow here. I also belong to it and grow, more and more into this wilderness. Less and less it pulls me out to those who lead a regular life. More and more I understand those who feel unhappy, imprisoned in regular work and concrete buildings. A life like mine is inconvenient and sometimes difficult, especially in winter. But I will not swap.

I now know that simple life is possible that it has healed and freed me. And that it is the only sustainable way for me. I do not want to adapt to a society whose values I do not share.

Less and less do I need when I look around me in the supermarket. After a little more than a year clothes, meat, dairy products and many vegetables come already gone: meat I do not eat, milk and cheese I get from my dear goats, clothes there from the flea market, in the garden grow many vegetables, wild herbs are available in shell and wealth. Much exchange with neighbors. I’m on a path that is free and independent, the longer I bestride him.

When I return from occasional forays to civilization, I breathe in every time and let ice cold spring water over my face flow to wash away all the false, Patch and artificiality of me. I have the feeling that I am more sensitive to feel myself, and what is good for me.

I look deeply into the people take truth and falsehood true before it is pronounced, know their intentions, and can me one metals out and need less and less. Fewer things less talk less do … I often watch me as I look at situations around me, and also reflective, but no longer have the urge as it used to intervene, or to say something. Getting rare.

More and more often I sit quietly and watch, sometimes comes a melody from me, and I hum softly. I swing and sing with the strength that comes from the earth.

Arrived.

P1060371

 

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out /  Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out /  Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out /  Change )

Connecting to %s